Die Gesellschaft der Niasso
Konflikte sind selten bei den Niasso. Entscheidungen werden zumeist im Konsens getroffen und entsprechend der althergebrachten Traditionen. Im Umgang miteinander und den anderen Sippen hat sich das als recht friedvolle Lösung bewährt, so daß auch die sonst so spontanen Niasso an den überlieferten Handlungsweisen nichts ändern.
Matriarchale Gesellschaft
Grundsätzlich ist die Gesellschaft matrilinear geprägt. Das heißt, bei einer Eheschließung zieht der Mann zur Frau, ihr gehört die Hütte und Besitztümer - sofern es überhaupt so was gibt - und wird auch an die Tochter weitergegeben. Das hat eine Gleichberechtigung der Geschlechter zufolge, eventuell sogar ein sanftes Ungleichgewicht zugunsten der Frauen, allerdings eher bzgl. der Achtung und Anerkennung anstelle wirklicher Bevorzugung.
Besondere Achtung wird den Alten gewährt, die bei wichtigen Fragen und anstehenden Entscheidungen immer gehört werden. Letzte Entscheidungsgewalt, wenn man das in einer nicht wirklich hierarchischen Gesellschaft so nennen kann, hat Cha'el, die Älteste. Diese ist eher Schamanin als Dorfoberhaupt, entscheidet aber in Zweifelsfällen auch "weltliche" Fragen.
Sippen
Die Sippen untereinander pflegen gutnachbarschaftliche Beziehungen. Streits gibt es selten und werden in der Regel mit großem Palaver, eventuell durch die Schamanen nach Rücksprache mit den Geistern einvernehmlich geregelt. Natürlich sind die Beziehungen zu näher liegenden Sippen besser als zu entfernteren, was aber einfach an der Vertrautheit liegt.
Es kommt aber durchaus häufig vor, daß andere Sippen besucht werden - zum Tausch, zum Informationsaustausch, um Freunde zu besuchen oder vielleicht einen Partner zu finden. Gastfreundschaft wird dabei gerne und bereitwillig gewährt. Austausch zwischen den Stämmen ist wesentlich seltener, wird aber genau so gerne - vermutlich auch noch neugieriger - gewährt.
Kriege
Kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den Sippen sind unvorstellbar. Allgemein ist es ungehörig, andere Niasso anzugreifen oder gar zu verletzen. Die Dorfgemeinschaft wird mit höchstem Unverständnis auf eine solche Handlung reagieren, und vermutlich eher versuchen, den Täter zu heilen, anstatt ihn zu bestrafen. Sollte einer gänzlich auf Abwege geraten und nicht mehr gemeinschaftsfähig sein, so wird er aus der Sippe ausgestoßen. Niasso haben übrigens nicht einmal ein Wort für kämpfen. Es gibt quadan, das heißt jagen, und es gibt quadi als kämpfen im Sinne von (selbst)verteidigen.
Partnersuche und Eheschließung
Beides ist zwar liebevoll, aber recht unromantisch. Wenn ein junger Niasso - ganz gleich ob männlich oder weiblich - meint, er sei bereit, eine Familie zu gründen oder es von Eltern oder Sippe nahe gelegt bekommt, geht er hin und fragt einen potentiellen Partner, ob der ihn heiraten will. Mit Liebe, verliebt sein, flirten usw. hat das überhaupt nichts zu tun. Meist ist da auch vorher nicht mehr gelaufen.
Wenn es jemand aus dem eigenen Dorf ist, dann kennen sich die potentiellen Partner natürlich vorher, aber oft ist es jemand aus einem benachbarten Dorf, ohne vorher große Kontakte zu haben.
Die Eheabsicht wird vor den Familien und deren Ahnen bekundet und dann zieht man zusammen in die Hütte der Familie der Frau oder in eine neue Hütte, neben der der Familie der Frau. Trennungen gehen genauso unspektakulär. Man verkündet, nicht mehr zusammenleben zu wollen und geht seiner Wege.
Kinder
Kinder bleiben, solange sie mütterlicher Pflege bedürfen, bei der Mutter, später können sie selbst entscheiden, ob und welchem Elternteil sie folgen wollen. Oft bleiben die Kinder auch in Obhut der (mütterlicherseitigen) Großmutter.
Niasso bekommen in der Regel zwei oder drei Kinder. Diese werden in der engeren Familie, hauptsächlich deren weiblichen Mitgliedern, aufgezogen. Aber auch die Dorfgemeinschaft nimmt an der Kindererziehung teil. Es ist also durchaus möglich, daß die Kinder ringsrum durch die einzelnen Hütten wandern, überall mal übernachten und überall etwas zu essen bekommen.
Uneheliche Kinder gibt es übrigens nicht. Was aber nicht an unbedingter moralischer Integrität liegt, sondern einfach daran, daß die Kinder, die in einer Partnerschaft geboren sind, als ehelich angesehen werden, ganz egal, wer der eigentliche Vater ist. "Seitensprünge" sind somit auch kein Problem, werden auch nicht eifersüchtig betrachtet sondern als ganz normales Vergnügen. Die Ehe beeinflusst das nicht, da diese ja "nur" eine Einrichtung des Zusammenlebens und der Aufzucht des Nachwuchses ist.
Wird eine Niasso schwanger wird, bevor sie verheiratet ist - dann gilt das Kind als Kind ihrer Eltern, praktisch als ihr Geschwister. Ein Niasso gilt nämlich erst durch die Verheiratung wirklich als erwachsen.