Die Lebensweise der Niasso

Die Niasso leben in Sippenverbänden von bis zu 30 Personen zusammen. Mehrere Sippen, die räumlich oder verwandtschaftlich zusammengehören, bilden jeweils einen Stamm.

Eine einzelne Sippe bewohnt jeweils ein Dorf, das meist um einen Lianenbaum herum angeordnet ist. Der große Baum mit den ausladenden Ästen trägt einen Teil der geflochtenen, durch schmale Stege verbundenen Hütten. Diese Hütten bestehen aus ovalen, spitz zulaufenden geflochtenen Matten, die auf einer hölzernen Grundfläche befestigt und oben zusammengebunden werden. Die Zwischenräume werden meist nur lose verbunden, so daß ausgesprochen luftige, zwiebelähnliche Gebilde entstehen. Diese Hütten stehen entweder auf Pfählen zwischen den Wurzeln des Lianenbaumes oder oben in dessen Ästen.

Nahrungsgrundlagen

Hauptsächlich leben die Niasso vom Fischen und Sammeln. Der Sumpf und der Dschungel bieten reichlich nahrhafte Pflanzen, wenn man weiß, wonach man suchen muss und auch das Wissen zur Nutzbarmachung giftiger oder ungenießbarer Pflanzen besitzt. Wichtig ist auch der Fischfang, der mittels Harpunen betrieben wird.

Die Niasso sind hervorragende Schwimmer und Taucher und können auf diese Weise einige essbare Wassergeschöpfe - Frösche, Schlangen, Muscheln - erbeuten. Muscheln sind ohnehin sehr wichtig, da die meisten Werkzeuge und Waffen aus deren harten Schalen gefertigt werden. Eine weitere Möglichkeit ist die Jagd mit dem Blasrohr, mit dessen (mit Schlafgift vergifteten) Pfeilen zumeist Vögel oder Affen gejagt werden. Das Schlafgift genügt übrigens auch, um einen ausgewachsenen Menschen kurzzeitig außer Gefecht zu setzen.

Haustierhaltung

Die Niasso halten auch Haustiere, die zur Nahrungsgewinnung dienen. Das sind hauptsächlich kleine, flugunfähige Sumpfvögel (Lowinsii), deren Fleisch, Federn und Eier genutzt werden, und auch eine große Leguanart (Amekcha), deren Fleisch sehr schmackhaft ist und deren Lederhaut sehr begehrt ist. Zudem fangen die Niasso auch große Laufvögel, die einmal im Jahr auf dem Weg zu ihren Brutgebieten durch die Sümpfe ziehen. Diese Tolowinsii werden als Reit- und Lasttiere genutzt.

Metallverarbeitung

Die Niasso kennen Metall, können es aber nicht selber herstellen oder bearbeiten. Sie schätzen es aber sehr als Tauschware, wobei sie allerdings gerne auch "wertlose" Metallstücke nehmen anstelle wirklicher Werkzeuge, da sie das fremde Material einfach mögen, es aber nicht wirklich nutzen. Um Metall zu suchen, begeben sie sich bisweilen auch in gefährlichere Gegenden des Dschungels, was aber meistens mit einer rituellen Queste verbunden ist.